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Keine schädlichen Rückstände

Nutzung von Sonnenenergie

Repro+Foto: Heinz Stammberger
Repro+Foto: Heinz Stammberger

Keine schädlichen Rückstände bei Nutzung von Sonnenenergie
Diskussionsveranstaltung des offenen Umweltkreises fand unerwartet großes Interesse
. UNTERSIEMAU. - Unerwartet großes Interesse fand die Podiumsdiskussion des offenen Umweltkreises Untersiemau zum Thema „Sonnenenergie". Rund 200 Bürger waren in den großen Saal der Gaststätte Murmann gekommen. Peter Schumann wies einleitend darauf hin, daß seine Mitarbeiter diesesThema Sonnenenergie gerne aufgegriffen haben. Solarenergie werde als Zukunftstechnologie angesehen.
Sie könne dazu beitragen,, die Umwelt zu retten. Außerdem wisse jeder, daß die Öl- und Kohlevorräte begrenzt vorrätig sind. Die Sonnenenergie könne Wärme und Strom erzeugen ohne schädliche Rückstände. Der Schock, der die Ölkrise der 70er Jahre ausgelöst habe, sei bis vor einigen Wochen vergessen gewesen. Erst Saddam Hussein erinnerte die Welt wieder daran, daß die Ölvorräte begrenzt sind.
Hohe Öl- und Stromkosten sorgen für ein Umdenken in der Energiepolitik und den Anreiz zur rationellen Energieverwendung und der Weiterentwicklung zu alternativen Energien, v Leider durften die Einladungen zur Podiumsdiskussion an die Kreistagsmitglieder nicht verteilt werden, obwohl die Politiker gerade großes Interesse an alternativen Engergien zeigen müßten, meinte Schumann. In Untersiemau könnte die Solarenergie am geplanten Neubau des evangelischen Kindergartens und an der sanierungsbedürftigen Schulturnhalle eingesetzt werden. Die Gemeindeverwaltung könnte hier mit gutem Beispiel vorangehen. Der Untersiemauer Umweltkreis würde gerne Aufgaben im Bereich der Umwelt übernehmen. Als erster Redner referierte Hermann Lemke, Verkaufsingenieur der. Firma Stiebel-Eltron, Nürnberg. Er stellte vier Einsatzgebiete in der Reihenfolge des Einsatznutzens vor: An erster Stelle stehe die Warmwasserbereitung und an zweiter Stelle das Betreiben eines Hallenbades, gefolgt vom Betrieb eines Freibades und an vierter Stelle die Übergangsheizung. Die bisher verwendeten Flachkollektoren gehören der Vergangenheit an. Heute arbeite man mit Vakkuumröhren. Für ein einwandfreies Arbeiten seien jedoch einige Voraussetzungen zu erfüllen. Die Kollektoren arbeiten nur optimal, wenn sie nach Süden ausgerichtet sind. Die Dachneigung muß zwischen 40 und 45 Grad betragen. Diese beiden Voraussetzungen wurden auch von den beiden Anwendern Edgar Bunke (Gleußen) und Hans Rupprecht uneingeschränkt unterstrichen.
Für die Warmwasserbereitung eines 4-Personen-Haushalts müssen rund 9000 Mark an Materialkosten zuzüglich rund 4000 Mark an Arbeitslohn gerechnet werden, meinte Lemke. Für die Schonung der Umwelt sollte nicht der finanzielle Nutzen, sondern die ökologischen Vorteile im Vordergrund stehenden kömmlichen Heizungsanlage verglichen werden, sie beträgt rund 15 Jahre.
Diplomingenieur Wolfgang Martin referierte über den Einsatz von Warmwasserkollektoren für Heizung, Brauchwasser, Schwimmbäder und den Selbsteinbau von Solaranlagen. Die Nutzung der Sonnenenergie gehe schon auf das Jahr 1900 zurück. Seit der letzten Ölkrise habe sich bei uns das Energie Bewußtsein durchgesetzt. Wenn die Nutzung der Solarenergie voll durchdacht eingesetzt werde, könnte man mit nur einem Zehntel der heute verbrauchten Energiemenge auskommen. Die Frage stelle sich, warum es beim Einsatz der Sonnenenergie zu keinem Durchbruch kam. Leider gebe es in Bayern, als einzigsten Bundesland, keine staatlichen Zuschüsse zur Förderung der Solarenergie im privaten Bereich. Als kleiner Fortschritt könne bewertet werden, daß in Bayern Solarenergieanlagen genehmigungsfrei betrieben werden können. Die Solarenergie sollte nicht nur als Kostenfaktor berücksichtigt werden, sondern auch um den notwendigen Schutz der Umwelt.
Professor Dr. Figel von der Fachhochschule behandelte das Thema „Fotovoltaik allgemein — wie setzt man Sonnenlicht in Strom um". 40 Prozent der Engergie werde im Haushalt benötigt. Davon benötige man 55 Prozent für Heizungszwecke, sieben Prozent für die Warmwasserbereitung und vier Prozent zum Kühlen und Waschen.
Mit einer Fotozelle lasse sich aus Sonnenstrahlen Energie gewinnen. Jedoch stehen derzeit noch hohe Investitionen von bis zu 27 000 Mark pro Haus dem niedrigen Abgabepreis des Stromes gegenüber. Alle Bemühungen sollten dahingehen, die Solarenergie mehr auszunutzen, wenn derzeit keine Kostendeckung erfolge.
Jürgen Dressel, Weidhausen,eine der wenigen Fachfirmen die es gibt, meinte, daß die Solarenergie kostendeckend im Bereich von Wochenendhäusern, Garten- und Jagdhütten, in Bienenhäusern, Almhütten und abgelegenen Gastwirtschaften eingesetzt werden könne. Anhand von Beispielen machte er die Einsatzmöglichkeiten bekannt. Zuerst sollte jedoch versucht werden, die Energieverluste zu dämmen und den Energieverbrauch auf das Mindestmaß einzuschränken.
Vom Architekturbüro Kosuch und Wallmann (Rodach) berichtete Hans Wallmann vom Einsatz der Solaranlagen in Ein familienhäusern. Wichtig sei auf jedem Fall, daß die Häuser energiesparend gebaut werden. Zur Wärmedämmung empfahl er Isoflock - ein Dämmaterial aus Altpapier.
Hans Rupprecht und Edgar Bunke berichteten von ihren Erfahrungen. Seit zehn Jahren betreibt Bunke eine Solaranlage zur vollen Zufriedenheit. Schwierigkeiten gebe es bei der Beschaffung von 24-Volt-Gleichstromlampen und -maschinen, meinte Rupprecht. Diese Geräte seien unwahrscheinlich teuer.
In der Diskussion wurden viele Fachfragen gestellt und von den Fachleuten beantwortet. Insbesondere wurde immer wieder der Anschaffungspreis mit der Einsparmöglichkeit an Energie ins Gespräch gebracht. Auch auf den Einsatz von Wärmepumpen im Haushalt wurde hingewiesen. Weitere Fragen sprachen die Speicherung von Sonnenwärme in Erdspeichern an. Für diese Lösung gibt es derzeit noch keine Erfahrungswerte. Der Diskussionsleiter Thomas Böcking bat in seinem Schlußwort, daß die interessierten Besucher das theoretische Wissen nun auch zu Hause in die Praxis umsetzen mögen.
-sta-
Quelle: NP vom 23.11.1990-Heinz Stammberger

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