Sie sind hier: Startseite » Info » Journalistik

Unterkunft für Wildbienen

Unterkunft für Wildbienen herstellen

Wildbiene
Wildbiene

Grub am Forst. - Kai Schwämmlein ist Installateur Tüftler und Naturliebhaber. Was sich aus dieser Kombination entwickeln kann, ist derzeit in Roth am Forst hinter Schwämmleins Schuppen zu besichtigen.
Tausende von Wildbienen umsummen die Nisthilfen, die er unter den Dachfirst auf der Südseite seines Anwesens aufgehängt hat. Angst vor Bienenstichen braucht bei diesem Anblick keiner zu haben, denn die Bienen, von denen es über 500 verschiedene Arten in Mitteleuropa gibt, stechen nicht. Die roten Mauerbienen, die sich derzeit in wahren Heerscharen vor den Nisthilfen herumtreiben, haben ganz anderes im Sinn.
Solitärbienen
Schwämmlein erklärt: „Das sind jetzt die männlichen Bienen, die sich vor den Röhren versammeln. Die warten darauf, dass die Weibchen schlüpfen. Bei den Solitärbienen, die keine Staaten bilden, sondern die ihre Eier in Röhren ablegen, funktioniert das nämlich so:
Ganz tief, an die Rückwand der Röhre legt die Biene die befruchteten, weiblichen Eier. Jedes in eine eigene Abteilung, mit genug Pollen für die Entwicklung der Made ausgestattet und mit einer Lehmwand von der nächsten Kammer abgetrennt. Und ans vordere Ende der Röhre kommen dann die unbefruchteten Eier, aus denen sich die Männchen entwickeln. Weil sie mehr Sonnenwärme abbekommen, schlüpfen die zuerst und warten dann auf die nachkommenden Weibchen."
Angefangen hat dieser erfolgreiche Beherbergungsbetrieb für Wildbienen, den Kai Schwämmlein am Ortsrand von Roth

betreibt, ganz harmlos. „Ich bin Handwerker und brauche immer etwas zu tun, darum hab' ich im Winter angefangen, Nistkästen für Rauh-fußkäutze zu bauen und auch so zehn, zwanzig Löcher in Hartholzklötze für die Wildbienen zu bohren." Am Anfang konnte der passionierte Naturfreund so etwa einem Dutzend der Hautflügler eine Nistgelegenheit bieten. Mit der Zeit wurden es immer mehr. Da reichten die paar Löcher in den
Holzklötzen und -Scheiben auch nicht mehr aus.
Bis an die Mainschleife ist Kai Schwämmlein gefahren, um sich das richtige Nistmaterial für seine Untermieter zu besorgen. Harte Schilfstängel mit drei bis acht Millimeter Durchmesser. „In die dickeren gehen die Bienen und in die dünneren die Wespen." Die Insekten unterscheiden sich auch durch das Material, mit dem sie ihre Kammern bauen und die Schilfrohre am Ende verschließen, damit sich die Maden und Puppen über den Winter in Ruhe entwickeln können." Die einen verkitten die Eingänge mit hellbraunem Lehm und die anderen verwenden gelbes Harz.
In sechseckige Blechdosen hat Schwämmlein die zugeschnittenen, hohlen Stängel eingepasst und mit Kleber am Boden befestigt, damit die Spechte und Meisen nicht zu leicht an die Maden herankommen. Aber am Bau so eines Insektenhotels hat er schon ein paar Stunden gesessen.
Im Laufe der Jahre hat sich die Adresse von Kai Schwämmlein in der Insektenwelt schein-
bar herumgesprochen. Als die Bienen

dann anfingen, jedes halbwegs passable Loch zu füllen und die Tüllen von Trichtern und Schlüssellöcher zuzubauen, war wieder einmal der Tüftler gefragt. Seit drei Jahren hat er die ganze Sache rationalisiert. Und nun scheint der Praktiker die optimale Lösung gefunden zu haben: Aus sechs mal ein Meter Schilfröhrmatten aus dem Baumarkt fertigt Kai Schwämmlein nun Rollen, die er mit Kabelbinder zusammenhält und mit einer extra angeschafften Flexscheibe in passende Stücke schneidet. Jetzt hat er auf einmal etwa 2000 Röhrchen unterschiedlichen Durchmessers für alle Arten von Wildbienen zur Verfügung. „Es war der reine Wahnsinn," erinnert sich der Naturfreund, „innerhalb von zwei Wochen war die Hälfte der Niströhrchen belegt und zugekittet."
Dass die Insekten in der ausgeräumten Kulturlandschaft scheinbar nicht mehr genug natürlich vorkommende Nistmöglichkeiten finden, zeigt sich an dem Eifer, mit dem sie die Angebote annehmen. Er-
staunt ist Schwämmlein bei der ganzen Sache nur, dass die Insekten, bei so vielen Eingängen nebeneinander, immer wieder ihr eigenes Röhrchen finden. Aber es scheint ja zu funktionieren, wie sein Erfolg zeigt.
Einige der Rohrbündel hat er auch schon an Arbeitskollegen verliehen, damit die Wildbienen Obstbäume bestäuben können. Eine genügende Anzahl von Wildbienen ist für das Ökosystem vor allen deshalb wichtig, weil sie nicht - wie die Honigbienen - speziell auf Massentrachten fliegen und so Bestäubungslücken bei Wildpflanzen schließen können. „Und es müssen ja nicht alle Wildbienen nur in Roth am Forst eine Unterkunft finden," meint er großzügig.