Baumschule Horstmann/Pflanzenschutz
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Vermüllte Welt

Müll zerstört den Lebensraum

Wer produziert Müll.
..Diese unphilosophische Erkenntnis wird möglicherweise die Ursache seines Aussterbens sein. Kein anderes Lebewesen zerstört seinen eigenen Lebensraum nachhaltig mit Abfallprodukten. In Flora und Fauna zersetzt sich alles in schönster Ordnung. Selbst totes Pflanzenmaterial, Kadaver oder die festen Ausscheidungen großer Säuger sind die Freude des einen oder anderen Insekts, nehmen wir stellvertretend für alle den Käfer mit dem schönen Namen Pillendreher. Unsere Spezies hat es kraft ihrer Erfindungsgabe in den vergangenen zwei Jahrhunderten geschafft, Stoffe zu produzieren, die zwar dienlich, zugleich aber in höchstem Maße gefährlich sind. Die Errungenschaften von Chemie, Physik und Technik erlauben die Herstellung von Umweltgiften und Unterhaltungselektronik, die scheinbare Beherrschung von Atomkraftwerken oder die Plastikverpackung jedes wie auch immer geformten Gegenstandes.
Das meiste, was uns umgibt, besteht aus hochgradig resistenten Stoffen. Die natürliche Verrottungsdauer ist im Falle von Glas, Aludosen, Kunststoff und Metallverbindungen so lange, dass wir theoretisch im Müll schon ertrunken wären. Wären da nicht die Tüftler, die damit umzugehen wissen. Sie haben uns in Deutschland ein ausgeklügeltes Recyclingsystem beschert. Es holt aus dem Müll heraus, was weiter zu verwerten ist. Dazu muss der Abfall getrennt werden. Denn getrennter Abfall ist halb so schlimm, sagen die Experten. Das Gute also ins Kröpfchen, was übrig bleibt, ins grüne, braune, gelbe, blaue oder schwarze Töpfchen.
Das lernt jedes Kind. Die Abfallwirtschaft im Landkreis Tübingen beispielsweise hat für die Kleinen einen Abfallerlebnispfad eingerichtet. Auf einem Müllfriedhof können sie Abfälle ausgraben und begreifen dabei, dass verschiedene Stoffe unterschiedlich schnell verrotten. Ähnlich hat sich der Bekleidungshersteller Trigema betätigt, der an der Produktion kompostierbarer T-Shirts forschte. Was ihm auch gelungen ist. Derartige Bemühungen gehen in die richtige Richtung. Leider helfen sie unterm Strich wenig.
Der Anfang September in den Kinos angelaufene Film „Taste the Waste" von Valentin Thurn dokumentiert, dass die Hälfte der von Industrienationen produzierten Nahrungsmittel auf dem Müll landen. Auch unser Kaufverhalten hat diesen kranken Umgang mit Lebensmitteln hervor gebracht. Keiner der seit den 1950ern Geborenen hat erfahren müssen, was es mit dem Sprichwort „In der Not frisst der Teufel Fliegen" auf sich hat. Ein Stück Brot auf dem Teller gilt in unserer „Zuvielnation" nichts, Pommes und Hamburger aus der Originalverpackung alles. Die fliegt anschließend in die Landschaft.
Der Umgang des Menschen mit Müll wird immer eine Verlustrechnung bleiben. Was recycelt wird, frisst Energie, muss hin- und hergefahren werden. Die Kette funktioniert nicht ewig, irgendwann ist bei den meisten Stoffen Schluss. Ein Recycling-Perpetuum mobile ist nicht zu erfinden. Interessant wie aussagekräftig ist die Vielzahl der Wortschöpfungen, die sich um den
Müll ranken. Jährlich kommen neue dazu. Es gibt Atommüll, Giftmüll, Mülltourismus, Müllkonzepte und Emissionsmüll. Leider ist der Sperrmüll, jener verheißungsvolle Tag, der Studenten-WGs auf kostenlose Neumöblierungen hoffen ließ, dabei, auszusterben. Müllmacht ist, wenn die Müllmänner streiken, und alles im Dreck versinkt. Wird der Müll in den Weltraum geschossen, ist das (noch) eine Müllvision.Die Vermüllung der Meere nimmt unterdessen Besorgnis erregende Ausmaße an. 6,4 Millionen Tonnen landen so jährlich in den sieben Weltmeeren. Pro Quadratkilometer schwimmen 46000 Stück Plastikmüll. Daran sterben eine Million Seevögel pro Jahr nebst Schildkröten und Meeressäugern. Sie verhungern an Plastikresten in ihren Mägen oder strangulieren sich an Six- pack-Henkeln und Netzresten. Aber auch die höchsten Erhebungen der Erde verdrecken durch Bergsteigermüll, denn der Slogan ; „Nimm die Erinnerung mit und deinen Abfall" gerät zunehmend in Vergessenheit.Eine Endstufe gibt es bei der Müllentsorgung immerhin. Kunst aus Müll ist per definitionem Kunst, kann also für die Ewigkeit so bleiben. Die Strömung der „Arte Povera", der armen Kunst, hat sich das zu Nutzen gemacht. Alte Bleche neu arrangiert, oxidierend bis in alle Ewigkeit, sind nur eine Spielart davon. Der Grieche Jannis Kounellis hat sie eingeschlagen. Im bayerischen Walchensee hat der Müll erstaunliche Blüten getrieben. Ein Taucher, der anonym bleiben will, fühlte sich von ihm zu Unterwasserinstallationen inspiriert. Auf dem Seegrund arrangierte er eine aus Fundstücken zusammengebaute „Wallstreet", die an die Front einer verlassenen Westernstadt erinnert. Es gibt das „Glasboot", ein mit Flaschen überhäuftes Ruderboot, das Feld der weggeworfenen Schuhe und einen geisterhaften Kreis aus Gartenstuhlgerippen. An Orgelpfeifen gleich aufgereihten Rohren lädt das Schild „Kapelle geöffnet" zum Verweilen ein.Von Bettina Keller;

Verrottungsdauer

Keine Müllmänner........sondern
Mitarbeiter der Müllabfuhr nicht „Müllmänner", sondern „Müllwerker" heißen? Sie sind in Fahrer und Sammler aufgeteilt. Der Deutsche Alpenverein in diesem Sommer in seinen 300 Hütten rote Abfalltüten-Spender montiert hat? Die Gäste können eine Abfalltüte für ihren Wandermüll mitnehmen oder das eine oder andere Papier am Wegesrand einstecken. Die Tüten basieren auf Maisstärke und sind zu 100 Prozent kompostierbar.

Das pro Jahr 500 Millionen Tonnen E-Waste, wie Elektromüll genannt wird, produziert werden? Die Tendenz ist steigend. In Europa wird nur ein Viertel davon recycelt, der Rest landet auf Müllkippen in Ghana, Nigeria und China.

Verrottungsdauer:

Taschentuch: 3 Monate
Bananenschale: 3 Monate
Zigarettenstummel: 3 bis 5 jähre
Kaugummi: 5 Jahre
Blechdose: 100 Jahre
Plastikfolie: 30 bis 40 Jahre
Zeitung: 1 bis 3 Jahre
Feuerzeug: 1OO Jahre
Plastikflasche: 100 bis 1OOO Jahre
Glas: 4000 Jahre

Atommüll

Das Atommüll-Problem wird auf die lange Bank geschoben
Jedes Jahr entstehen in den deutschen Atomkraftwerken rund 400 Tonnen hochradioaktive abgebrannte Brennelemente. Was mit diesem über Jahrtausende strahlenden Abfall passieren soll, weiß bis heute niemand. Die Entscheidung wird vertagt, der Müll wird zwischengelagert.
Entsprechend mussten neue Zwischenlagermöglichkeiten geschaffen werden. Insgesamt gibt es in Deutschland 16 Zwischenlager. Davon sind 12 in den vergangenen Jahren an AKW-Standorten neu eingerichtet worden.
Im Jahr 2030 wird die Bundesrepublik mit etwa 24.000 Kubikmetern hochradioaktivem Atommüll umgehen müssen. Das entspricht etwa 17.000 Tonnen Schwermetall aus abgebrannten Brennelementen und Wiederaufarbeitungsabfällen.
Seit Jahrzehnten wird der ungeeignete Salzstock Gorleben als äüäEndlager gehandelt. Wie es dazu kam, ist eine lange und unerfreuliche Geschichte. Greenpeace hat Originalakten der Niedersächsischen Staatskanzlei und des Niedersächsischen Umweltministeriums von 1974-76 ins Netz gestellt. Klicken Sie -hier. um sich selber ein Bild zu machen.Quelle:greenpeace.de